Digitalisierung in der Schule – Oh, Schreck! Wie schaffe ich das?

Ob der Unterricht dadurch ‘besser’ wird, ist eine Frage, die ich mir gar nicht stelle, denn ich bin überzeugt, dass die Qualität des Unterrichts weiterhin von der Lehrperson geprägt wird.

 

Als Lehrperson an der FMZ Luzern habe ich in den letzten Jahren viele Inputs über die Digitalisierung im Unterricht bekommen – oft kompakte Informationen zu verschiedenen Themen mit wenig Zeit für eine begleitete Anwendung (Coaching). Ich fühlte mich überfordert und je mehr neue Informationen dazu kamen, umso inkompetenter fühlte ich mich. Da fragte ich mich «Liegt es an meinem Alter? Komme ich schon nicht mehr mit?».

Meine innere Resilienz konnte dies nicht akzeptieren und so organisierte ich für unsere französische Fachschaft eine interne Fortsetzung einer Weiterbildung (also mit Coaching) zum Thema ‘Prüfen auf Moodle’. Ich hatte erkannt, dass man auf dieser Plattform nicht nur prüfen, sondern auch Lerneinheiten herstellen kann, in denen die Lernenden nach ihrem Rhythmus arbeiten können.

(Auszug aus meiner Präsentation am SCHILW FMZ, 14.02.2020)

Danach habe ich zahlreiche Stunden in meine eigene Weiterbildung investiert und konnte mit meinen Lernenden interessante Erfahrungen machen. Dabei wurden meine Kollegen aus ICT regemässig involviert, denn technisch kam ich ohne sie nicht weiter.

Im Vorfeld zwei Bemerkungen zu meiner Einstellung:

Ich nehme die Digitalisierung als Herausforderung wahr, «mit der Zeit zu gehen». Meine Lernenden lieben ihren Bildschirm. Ob sie dahinter auch einen Arbeitstool erkennen könnten? Es ist ein Versuch wert. Die Frage ist: Wie schaffe ich das?

Die Antwort ist «Nicht ohne das Mitdenken meiner Lernenden!», denn auch sie müssen einverstanden sein, die Digitalisierung als gemeinsame Herausforderung zu erkennen. Ich, als Lehrperson, lege meinen Lernenden offen, dass ich technisch nicht alles weiss und dass sie bei Problemen auch mitdenken dürfen. Es kann auch sein, dass mal eine Übung nicht funktioniert oder dass ich die ICT Person zur Hilfe holen muss. Und wenn wir die Lösung finden, haben alle «riesig» Freude! Glaubt mir, mit «try and fail» bin ich meinen Lernenden nähergekommen.

Im Juni 2019 habe ich zum ersten Mal eine Prüfung auf Moodle gemacht. Seitdem habe ich 7 weitere Prüfungen dieser Art durchgeführt, davon 3 mit den gleichen Klassen, sowie mehrere Lerneinheiten hergestellt.

Wo stehe ich im Moment?

Ich bette regelmässig Lerneinheiten auf Moodle ein, wo meine Lernende, nach einem Input im Plenum, selbstständig den Stoff erarbeiten können.  Es entsteht viel Ruhe im Raum, sie arbeiten konzentriert, ich sehe den Stand ihrer Arbeit in einer Tabelle auf Moodle und kann sie persönlich ansprechen. Ich fühle mich dadurch entspannter, vor allem wenn die Lernenden müde und unruhig sind.

Was denken meine Lernenden?

Sie schätzen die ruhige Atmosphäre und die selbständige Arbeit, insbesondere für das Hörverstehen, weil sie selbst regulieren dürfen, wie und wieviele Male sie die Übung machen.

Bei Prüfungen ist es wie im Unterricht, d.h. dass sie wissen, welche Art Fragen vorkommen können und wie die Bewertung zustande kommt. Sie schätzen das sehr.

Sie lernen genaue Antworten zu formulieren, denn sie erfahren, dass diese bestimmte Antwort so programmiert wurde. Sie achten auf die Rechtschreibung; sie lernen die Konjugation genau. Die grosse Mehrheit nimmt diese Art Bewertung positiv auf, auch wenn sie anfänglich Mühe mit der Strenge hatten.

Schlussendlich stelle ich fest, dass sie nach anfänglichen Ängsten gegenüber dem Computer, diese Art des Lernens und Prüfens schätzen und auf diese gemeinsame Erfahrung stolz sind. Es entsteht nicht gleich Panik, wenn plötzlich das Internet unterbrochen ist oder sonst technische Probleme auftauchen. Sie empfinden das als mühsam, wissen aber, dass eine Lösung gefunden werden kann. Das ICT-Team gehört zu unseren besten Freunden!

Es ist ein Vertrauen und eine Wertschätzung zwischen mir und meinen Lernenden entstanden. Wir geben einander Feedback über technische Probleme und suchen eine Lösung.

Sie finden es auch ganz toll, wenn sie bei der Korrektur weitere Lösungen finden, die ich bei der Erstellung der Prüfung nicht berücksichtigt hatte. Ich kann diese dann zu den korrekten Antworten hinzufügen – das kleine rote Kreuz bei ihnen wird nun ein grünes Häkchen. Wie wunderbar!

Zum Schluss kann ich nun sagen, dass der Schreck nicht mehr so gross ist. Digitaler Unterricht fördert die Kreativität und Zusammenarbeit, braucht aber Ausdauer und Zeit.

Ob der Unterricht dadurch ‘besser’ wird, ist eine Frage, die ich mir gar nicht stelle, denn ich bin überzeugt, dass die Qualität des Unterrichts weiterhin von der Lehrperson geprägt wird.

Alessandra Müller
Alessandra Müller
Französischlehrerin am FMZ

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